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Behandlung – Ursache – Operation

Kahnbeinbruch

Ein Kahnbeinbruch, auch Skaphoidfraktur oder Kahnbeinfraktur genannt, wird meist durch einen Sturz auf die Hand ausgelöst. In manchen Fällen reicht es aus, den Bruch konservativ, also ohne Operation zu behandeln, und ihn mittels eines Gipsverbandes ruhig zu stellen. Da bei dieser Methode Komplikationen – zum Beispiel eine Kahnbeinpseudarthrose – auftreten können, gibt es auch viele operative Möglichkeiten, um den Kahnbeinbruch zu behandeln. Erfahren Sie in diesem Artikel vom Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie, OA Dr. Simon Sailer alles was Sie zur Kahnbeinfraktur wissen müssen. Der Experte für die Behandlung der Kahnbeinfraktur spricht über Symptome, Ursachen sowie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, die es beim Kahnbeinbruch gibt. Symptome eines Kahnbeinbruches sollten Sie immer von einem Spezialisten abklären lassen. Wird eine Kahnbeinfaktur nicht erkannt oder falsch behandelt, kann das eine Kahnbeinpseudarthrose zur Folge haben. „Ist eine Operation notwendig, sollte man als Patient und Arzt die Vorteile von Knochenschrauben (Schrauben aus menschlichem Knochen) für die Behandlung des Kahnbeines nützen“, so der Experte aus Tirol / Österreich.

Lesedauer: 5 min

Autor des Artikels: OA. Dr. Simon Sailer
Dr. Simon Sailer ist Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus Schwaz in Tirol. Er ist Spezialist für Handchirurgie und hier u.a. auf die Behandlung des Kahnbeines spezialisiert.
Aktualisiert am 01.09.2022

Kahnbein – was ist das?

Als Kahnbein werden zwei Knochen im menschlichen Skelett bezeichnet. Der Handwurzelknochen (Os scaphoideum) und der Fußwurzelknochen (Os naviculare). Wenn man vom Kahnbein oder vom Scaphoid spricht, meint man aber überwiegend den Handwurzelknochen.  Das Kahnbein kann in drei Abschnitte unterteilt werden: das proximale, das mittlere und das distale Kahnbeindrittel. Kommt es zum Bruch, zur sogenannten Skaphoidfraktur, bricht es meistens im mittleren Abschnitt. Seltener kommt ein Kahnbeinbruch im proximalen Bereich vor und am seltensten im distalen Abschnitt

Übrigens: Der Bruch des Kahnbeines ist die häufigste Fraktur eines Knochens an der Handwurzel. Oft kommen bei einer Operation Schrauben aus menschlichem Knochen / Knochenschrauben zum Einsatz. Eine operative Metallentfernung wird so überflüssig.

Die Kahnbeinfraktur (Skaphoidfraktur)

Ein Kahnbeinbruch erfordert meistens eine operative Behandlung. Die Bruchenden werden mit einer Schraube aus menschlichem Knochen stabilisiert. Grund für einen Kahnbeinbruch ist meist ein Sturz auf die gestreckte Hand, da die gesamte Kraft über die Handwurzelknochen auf den Unterarm übertragen wird und dadurch das Kahnbein brechen kann. Eine Skaphoidfraktur kann in 6 verschiedene Klassen unterteilt werden:

  • C1 – Abriss- oder Avulsionsfraktur
  • C2 – horizontale / transversale Fraktur
  • C2.1 – Fraktur des distalen Drittels
  • C2.2 – Fraktur des mittleren Drittels
  • C2.3 Frakturen des proximalen Drittels
  • C3 – vertikale oder Mehrfragmentfraktur

Die Klassifizierung des Bruchs lässt Rückschlüsse auf die Durchblutung der Bruchfragmente, und somit die Heilungschancen zu. Die genaue Identifizierung der Bruchlinie und der Durchblutungssituation ist ausschlaggebend für die spätere Behandlung. „Die Heilungschance ist bei besonders distalen Brüchen die beste, da hier die bessere Blutversorgung vorliegt. Je nach Bruch entscheidet der Patient gemeinsam mit dem Kahnbeinspezialisten, ob eine Operation notwendig ist,“ erklärt der Kahnbeinexperte Dr. Sailer. Entscheidet man sich für eine Operation, wird das Kahnbein in vielen Fällen mit einer Schraube aus menschlichem Knochen stabilisiert. „Kürzlich durchgeführte Studien zeigen, dass Schrauben aus menschlichem Knochen sehr gut funktionieren. Das ist darauf zurückzuführen, dass die Knochenschraube von patienteneigenen Zellen besiedelt und in patienteneigenen Knochen umgebaut wird“ so der Kahnbein-Experte OA Dr. Simon Sailer.

Behandlung einer Kahnbeinfraktur

Ein Kahnbeinbruch kann sowohl konservativ als auch operativ behandelt werden. Bei der konservativen Behandlung fallen Risiken, die bei einer Operation auftreten können, weg, dafür dauert die Heilung länger, und das Risiko einer Pseudarthrosenbildung ist erhöht.  Welche der beiden Methoden angewendet wird, hängt unter anderem davon ab, in welchem Teil des Kahnbeins der Bruch verläuft. Klären Sie mit einem Experten, welche Behandlung für Sie die richtige ist und ob Knochenschrauben zum Einsatz kommen können.

Die Operation einer frischen Kahnbeinfraktur

In vielen Fällen muss die Kahnbeinfraktur operiert werden. Bei einer Operation des Kahnbeins werden die beiden Knochenfragmente aneinander fixiert. Es gibt viele Möglichkeiten, die Knochenstücke zu verbinden, so können Metallschrauben aber auch Schrauben aus menschlichem Knochen wie die Shark Screw® zum Einsatz kommen. Der Vorteil der Shark Screw® ist dabei, dass sie in den Knochenumbauprozess des eigenen Körpers integriert wird und so zu patienteneigenem Knochen umgebaut wird.

Operationsmaterialien bei der Kahnbeinfraktur & Kahnbeinpseudarthrose

Material

Vorteile

Risiken

Shark Screw® / Schraube aus menschlichen Knochen

Integration in Knochenumbauprozess | Keine Metallentfernung | Keine Wetterfühligkeit bekannt | Geringe Schmerzen nach der Operation | Hohe Festigkeit

1-4 Wochen nach der Operation besondere Vorsicht bei der Belastung des Fußes

Schrauben aus Metall / Metalllegierungen

Hohe Festigkeit

Kann Gewebeirritationen hervorrufen, Einsatz bei Allergien nicht empfohlen | Metallentfernung wahrscheinlich da Gewebe (Sehnen & Bänder) gereizt werden könnten

Plattensysteme

Hohe Stabilität und Festigkeit

Kann Gewebeirritationen hervorrufen | Einsatz bei  Allergikern & Wetterfühligkeit vermeiden
| Metallentfernung wahrscheinlich 

Resorbierbare Schrauben

Lösen sich im Körper auf | Kein Metall im Körper

Können Gewebeirritationen aufrufen | Geringe Stabilität | Auflösungsprozess kann Schmerzen oder Resorptionszysten hervorrufen.

Shark Screw® & Kahnbeinfaktur

„Viele Ärzte vertrauen bei der Operation des Kahnbeinbruches auf die Schraube aus menschlichem Knochen – die Shark Screw®. Der grundlegende Vorteil der Shark Screw® ist, dass sie in den natürlichen Knochenumbauprozess integriert wird. Sobald die Shark Screw® in den Knochen eingebracht wird, wird sie von körpereigenen Zellen besiedelt. Die sogenannten Havers-Kanäle im Inneren der Schraube machen dies möglich. Knochenzellen und körpereigene Gefäße können sich in diesen Kanälen der Shark Screw® ansiedeln und tragen so dazu bei, dass neue Knochenstrukturen entstehen, die schließlich zum eigenen Knochen werden,“ erklärt der Orthopäde Dr. Klaus Pastl aus Linz, der sich seit Jahrzehnten mit Knochenheilung beim Menschen beschäftigt.  Das erspart Patienten oft einen zweiten Eingriff, nämlich die Metallentfernung. Ist aber aufgrund der Shark Screw® keine zusätzliche Operation nötig, werden für den Patienten die damit verbundenen Risiken sowie die Dauer des Krankenstandes enorm verringert.

Nachbehandlung eines Kahnbeinbruches

Es kann in den ersten Tagen nach der Kahnbeinoperation eine Schwellung im operierten Bereich auftreten. Die Dauer der Ruhigstellung richtet sich dabei nach dem Grad des Bruches. Im Normalfall sollte aber 6 – 12 Wochen nach der Operation eine Belastung wieder möglich sein. Mit einer  Nachbehandlungszeit von insgesamt 3 – 5 Monaten ist zu rechnen. Kommen bei der Operation ein metallenes Implantat zum Einsatz, muss dieses möglicherweise im Rahmen einer neuerlichen Operation wieder entfernt werden. Wird das Metall nicht entfernt, so bleibt es ein Leben lang im Körper des Patienten.

Symptome einer Kahnbeinfraktur

Typische Symptome eines Kahnbeinbruches sind auftretende Schmerzen in den Regionen der Handrückseite und des Daumens, besonders bei Bewegung und Belastung des Handgelenks. Dies führt zu einer Schonhaltung. Es kommt zu Einschränkungen bei einfachen Bewegungen wie zum Beispiel dem Halten einer Tasse oder Zähneputzen. Ein weiteres typisches Zeichen ist ein Druckschmerz am Handgelenk an der Streckseite des Daumens.

Die Kahnbeinpseudarthrose Behandlung & Erfahrungen

„Das Risiko besteht bei allen Kahnbeinbrüchen: Die Kahnbeinpseudoarthrose. Bei einer Kahnbeinpseudoarthrose wachsen die einzelnen Stücke des Bruches nicht stabil zusammen. Das führt dazu, dass Knochenfragmente weiterhin beweglich bleiben und sich somit ein „falsches Gelenk“ bildet,“ so der Experte aus Tirol OA Dr. Simon Sailer. Die Kahnbeinpseudoarthrose tritt meist auf, wenn ein Kahnbeinbruch nicht konsequent genug behandelt oder nicht erkannt wurde. Zwischen den Knochenfragmenten bildet sich somit nur narbiges Gewebe, aber keine stabile knöcherne Verbindung. Patienten haben durch die Kahnbeinpseudarthrose oft Schmerzen. Zudem werden durch die falsche Lage des Kahnbeines die angrenzenden Gelenke beschädigt. Das Risiko einer Pseudoarthrosenbildung ist bei konservativen Behandlungen höher als bei operativen Behandlungen. Jedenfalls sollte zur Behandlung einer Kahnbeinpseudarthrose ein Spezialist hinzugezogen werden!

Operation & Heilung einer Kahnbeinpseudarthrose

Möglichkeit 1: Shark Screw® | Perkutane Versorgung

Möglichkeit 2: Shark Screw® + Allograft (Spenderknochen) | Offenes Verfahren möglich

Möglichkeit 3: Platte aus Metall + Knochen aus dem eigenen Becken (Autograft Eigenknochen) à Schmerzen durch die Entnahmen des Knochens im Becken oft länger als Schmerzen in der Hand | offenes Verfahren

Möglichkeit 4: Gestielter Lappen (Autograft Eigenknochen) + Metallschraube oder Metallplatte à Eigener Knochen mit Blutgefäßen aus dem Becken, Schienbein oder Unterarm à Oft sehr starke Schmerzen für Patient | Offenes Verfahren | lange OP-Zeiten

Verfahren

Vorgangsweise

Vorteile

Nachteile / Risiken

Shark Screw® / Schraube aus menschlichen Knochen

Meist kleiner Hautschnitt

Integriert sich in den natürlichen Knochenumbauprozess

Hohe Stabilität, Rotationsstabilität

Derzeit keine bekannt

Shark Screw® + Allograft

Auffüllung des Defektes mit Spenderknochen

Keine Entnahmeschmerzen wie bei Autograft im Becken oder Tibia. etc. Hohe Stabilität, Rotationsstabilität

Derzeit keine bekannt

Platte aus Metall + körpereigener Knochen

Körpereigener Knochen wird aus Becken entnommen

Hohe Stabilität

Oft mit Schmerzen verbunden durch Entnahme des Knochens aus dem Becken | längere Schmerzen in der Nachbehandlung & Risiko einer Metallentfernung gegeben

Gestielter Lappen + Metallschraube oder Metallplatte

Körpereigener Knochen mit Blutgefäßen wird aus Becken, Knie oder Unterarm entnommen

Anschluss des neuen Knochens an Blutsystem möglich

Große Schmerzen für Patient durch Entnahme des eigenen Knochens möglich, lange Operationsdauer

Spätfolgen einer Kahnbeinpseudarthrose

Behandelt man eine Kahnbeinpseudoarthrose nicht, schreitet die Zerstörung des Gelenkknorpels durch die Bruchstücke fort, was schließlich zu Arthrose führen kann. Die Arthrose kann sich in späten Stadien über das gesamte Handgelenk ausbreiten. Um solche Spätschäden zu vermeiden, sollten Sie unbedingt mit einem Experten über Behandlungsmöglichkeiten sprechen.

Ursache & Diagnose einer Kahnbeinfraktur

Meistens ist der Grund für einen Kahnbeinbruch ein Sturz auf die gestreckte Hand. Das Kahnbein wird dabei besonders hohen Kräften ausgesetzt. So sind es oft junge Patienten, die eine Kahnbeinfraktur erleiden und meistens Sportarten ausüben, die mit einer erhöhten Sturzgefahr verbunden sind. Männer sind außerdem sechsmal häufiger von Kahnbeinfrakturen betroffen als Frauen, obwohl ihre Knochenstruktur stärker ausgeprägt ist.

Zur Beurteilung, ob ein Kahnbein gebrochen ist oder nicht, führt der Spezialist immer klinische Untersuchungen am Patienten durch. Oft kann der Kahnbeinexperte durch den sogenannten Skaphoid-Shift-Test nach Watson bereits abschätzen, ob das Kahnbein gebrochen ist. Dabei bewegt er die Hand Richtung Daumen, ist ein Klick zu hören und empfindet der Patient Schmerzen, besteht der Verdacht auf eine Skaphoidfraktur.

Zusätzlich zur klinischen Untersuchung des Kahnbeines wird in der Regel eine Röntgenaufnahme gemacht, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen. Da auf einem Röntgenbild ein Kahnbeinbruch nicht immer sicher erkennbar ist, muss eventuell auf eine Computertomografie zurückgegriffen werden.

Konservative Behandlung einer Kahnbeinfraktur

Ist der Bruch nicht verschoben und ist die Frakturlinie nicht im proximalen Kahnbeindrittel, ist es möglich den Bruch konservativ durch Ruhigstellung im Gips für 6 – 12 Wochen zu behandeln. Nach 2 -3 Wochen erfolgt eine Überprüfung des Heilungsprozesses. Ein Nachteil der konservativen Behandlung ist der lange Heilungsprozess, der sich über 2 bis 3 Monate ziehen kann. Ist bereits eine Pseudoarthrose (Link Kapitel) vorhanden, kann die Fraktur nicht mehr konservativ behandelt werden. „In einem solchen Fall ist eine Versorgung mit der Shark Screw® jedenfalls indiziert,“ rät OA Dr. Simon Sailer.

FAQs

Wie lange dauert die Behandlung einer Kahnbeinfraktur?

Wie lange der Bruch zum Heilen braucht, hängt von der jeweiligen Therapiemethode und von der Art des Bruches ab. So dauert der Heilungsprozess bei konservativen Therapien oft länger als bei operativen Therapien. Manchmal ist eine postoperative Gipsruhigstellung für einige Wochen notwendig.

Wie erkennt man einen Kahnbeinbruch?

Schmerzen an der Rückseite der Hand sowie am Daumen, vor allem beim Bewegen, treten auf. Es kann zu Schwellungen kommen.

Wie passiert ein Kahnbeinbruch?

Die Ursache für einen Kahnbeinbruch ist meist ein Sturz auf die gestreckte Hand. Aufgrund der engen Bandführung verschieben sich die Knochenfragmente nur gering, weshalb ein Kahnbeinbruch oft im Röntgen schwer zu erkennen ist.

Wie wird ein Kahnbeinbruch operiert?

Die Bruchenden werden in aller Regel mit einer Schraube wie Shark Screw® stabilisiert. Häufig ist eine minimalinvasive Operation durch einen 0,5 cm langen Hautschnitt möglich.

Kann man bei einem Kahnbeinbruch die Hand bewegen?

Meistens kann das Handgelenk trotz eines Kahnbeinbruches bewegt werden. Oft liegen nur mäßige Schmerzen vor, so dass es leicht passieren kann, dass die Verletzung übersehen wird.

Wo ist das Kahnbein?

Das Kahnbein liegt auf der Daumenseite des Handgelenks und ist einer der 8 Handwurzelknochen.

Wie lange muss man nach einer Kahnbein-OP im Krankenhaus bleiben?

Die Operation kann ambulant sowie stationär durchgeführt werden.

Was sind die Symptome einer Kahnbeinpseudarthrose?

Eine Kahnbeinpseudoarthrose kann über lange Zeit wenig Beschwerden auslösen oder unerkannt bleiben. Treten bei der Bewegung Schmerzen auf, dann meistens auf der dem Daumen zugewandten Handgelenksseite. Im späteren Verlauf kommen Bewegungseinschränkungen sowie eine Kraftminderung des Handgelenks hinzu. Die Symptome sollten dringend durch einen Facharzt abgeklärt werden!

Der Autor - OA Dr. Simon Sailer

Dr. Simon Sailer ist Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie am Krankenhaus Schwaz in Tirol. Er ist Spezialist für Handchirurgie und hier u.a. auf die Behandlung des Kahnbeines spezialisiert.

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